TONY sitzt auf der Veranda und schaut hinaus in die Weite der Steppe. Seine Mitarbeiter wissen nicht viel von ihm. Nicht einmal seinen richtigen Namen. Alle nennen ihn TONY, aber alle sind sich einig, dass dies nicht sein richtiger Name sein könne. Zu vorsichtig ist er mit allem, was seine Missionen gefährden können.
So sitzt er da und starrt in die kühle Nacht hinaus. Noch immer haben seine zwei Gesandten nichts von sich hören lassen. Dass der See in einem abgelegenen Teil der Welt liegt und dort bestimmt keine Kommunikation möglich sein würde, war Teil der Planung. Doch jetzt - drei Stunden - nach Beginn der Operation noch kein Zeichen! TONY wird langsam unruhig, ungeduldig.
Würden sie ihm das bringen, was er ihnen aufgetragen hat? Müsste er ein zweites Team losschicken? Oder war es für alle Zeiten verschwunden?
Er sitzt wie auf Kohlen.
Montag, 31. März 2014
Dienstag, 25. März 2014
Zweiter Zug
Nun
wurde es mit jedem Zug, den er mit seinen Rudern tat, merklich dunkler. Doch
der Mond schien hell, sodass er trotzdem mühelos
die Umrisse seines Walddomiziles erkennen konnte. Sogar die Baumreihen um den
kleinen See herum vermochte er zu erspähen. Nach dieser natürlichen Grenze
aber, war nur noch undurchdringbare Finsternis auszumachen. Bisher hatte er
sich auf dieser Lichtung, die einen fast perfekten Kreis bildete, immer sicher
und geborgen gefühlt. Jetzt aber fühlte er sich in seiner kleinen Nussschale
mitten auf dem See, ohne jegliche Deckung, ziemlich ausgeliefert. Es gelang ihm
nicht mehr länger seine Unruhe zu unterdrücken. Immer wieder liess er seinen
Blick nervös über die überschaubare Insel und die schwarze Wand, die ihn umgab,
schweifen.
Länger zu warten hielt er nicht mehr aus, doch vielleicht lauerten die zwei Fremden noch irgendwo auf ihn. Langsam liess er sich ins Wasser gleiten. Dass sein Boot, samt heute Abend erlegtem Reh, führerlos davon trieb kümmerte ihn nicht. Es würde praktischerweise sogar von ihm ablenken, während er mit ruhigen, kräftigen Zügen bis ins Schilf am Ufer schwamm. Von dort aus huschte er durchs hohe Gras hinüber zu seinem Häuschen. Es war eine warme Sommernacht und so fror er ihn seinen durchnässten Kleidern nicht einmal. Vielleicht war er auch einfach zu aufgeregt um die Kälte zu spüren. An die grob bearbeitet Hauswand aus Holz gepresst überwand er die letzten Meter zur Türe. Diese fand er unbeschädigt und ungeöffnet vor, was ihn nicht wunderte, schliesslich hatte er sich nie die Mühe gemacht ein Schloss einzubauen. Wozu auch?
Da!
Aus dem Schatten den seine kleine Hütte warf, lösten sich zwei Gestalten und
schlichen, an seinem selbst gepflanzten Apfelbaum vorbei, Richtung Ufer auf der
Westseite der Insel. Mit einem Mal wurde es zu dunkel um die zwei Fremden mit
blossem Auge noch zu erkennen. Eine Wolke hatte sich klammheimlich vor den Mond
geschoben und der Nacht ihren schwarzen Mantel übergeworfen, nur um ihn ihr
wenige Augenblicke später wieder verführerisch abzustreifen, damit sie mit
ihrer Schönheit prahlen konnte.
Doch
dafür hatte er jetzt keine Augen. Angestrengt versuchte er die Silhouetten der
zwei ungebetenen Besucher auszumachen. Sie waren verschwunden. Als hätten sie
sich in Fledermäuse verwandelt und zu ihren Artgenossen gesellt, die Jagd auf
die Mücken über der Seeoberfläche machten.
Länger zu warten hielt er nicht mehr aus, doch vielleicht lauerten die zwei Fremden noch irgendwo auf ihn. Langsam liess er sich ins Wasser gleiten. Dass sein Boot, samt heute Abend erlegtem Reh, führerlos davon trieb kümmerte ihn nicht. Es würde praktischerweise sogar von ihm ablenken, während er mit ruhigen, kräftigen Zügen bis ins Schilf am Ufer schwamm. Von dort aus huschte er durchs hohe Gras hinüber zu seinem Häuschen. Es war eine warme Sommernacht und so fror er ihn seinen durchnässten Kleidern nicht einmal. Vielleicht war er auch einfach zu aufgeregt um die Kälte zu spüren. An die grob bearbeitet Hauswand aus Holz gepresst überwand er die letzten Meter zur Türe. Diese fand er unbeschädigt und ungeöffnet vor, was ihn nicht wunderte, schliesslich hatte er sich nie die Mühe gemacht ein Schloss einzubauen. Wozu auch?
Nun,
die Antwort auf diese Frage kannte er jetzt, denn als er sein Heim betrat,
bestand keinerlei Zweifel mehr das jemand eingedrungen war. Seine ehemals so
gemütlich eingerichtete Stube ist dem Chaos gewichen. Alles wurde auf den Kopf
gestellt und durchsucht wie es schien. Im Kamin erkannte er ein paar seiner noch
schwellenden Notizbücher, die meisten schienen jedoch vollständig von den
Flammen verzehrt worden zu sein. Vor nichts hatten die Eindringlinge halt
gemacht, sogar seinen selbst gezimmerten Schaukelstuhl hatten sie zerlegt. Wie
damals…
Plötzlich
wurde er von Panik gepackt. Hals über Kopf stürmte er in ihr kleines
Zimmerchen. Es war unberührt geblieben, doch sie war nicht mehr da! Weg! Fort!
Verloren! Die Vergangenheit holte ihn
ein und überrollte ihn gnadenlos. Entsetzt und verzweifelt liess er sich
in ihr Bettchen fallen und schluchzte zusammengekrümmt bis er nicht mehr
konnte. Irgendwann schlief er ein. Im Traum reiste er zu einem weit entfernten
Zuhause aus längst vergangenen Tagen. Dort stand er im Türrahmen eines Zimmers, das seinem jetzigen Schlafplatz zum verwechseln ähnlich sah, und beobachtete bezaubert wie sie ruhig und wie die Unschuld selbst schlief.
Am
nächsten Morgen erwachte er als die Sonne bereits aufgegangen war. Bevor er die
Augen öffnete wusste er wo er sich befand, was in der Nacht geschehen war und
dass sie nicht mehr bei ihm war… Schon lange Zeit nicht mehr bei ihm war… viel
zu lange…
Mit
einer Ohrfeige holte er sich endgültig in die Gegenwart zurück. Nun stellte
sich ihm nur eine Frage. Hatten sie diesmal gefunden wonach sie gesucht hatten?
Montag, 24. März 2014
Die Hütte mitten im Wald, mitten auf dem See...
Niemals hätte er gedacht, dass jemand seinen Rückzugsort findet. Diesen Ort inmitten des Waldes findet. IHN hier findet. Kein Zweifel, vom Boot aus, mit dem er auf dieses kleine Inselchen zusteuert, auf dem seine einfache Hütte steht, ist ganz deutlich zu erkennen: es brennt Licht und ein feiner Rauchzug streicht dem Dämmerungshimmel entgegen.
Er hält inne, lässt kurz ab vom Rudern, lässt das Boot lautlos einfach treiben und überlegt sich, was nun zu tun sei. Weiter rudern? Umkehren? Hat man ihn gesucht? Hat man ihn gefunden? Oder ist diese Person wegen ganz etwas anderem da - weiss noch überhaupt nicht, was geschehen ist?!
Die Gedanken schiessen ihm durch den Kopf. Was alles sein könnte, was alles geschehen könnte. Im Stimmengewirr seiner Gedanken greift er schliesslich - ohne weiter Nachzudenken - wieder zu seinen Riemen und steuert möglichst ohne Geräusche zu machen auf seine schwach erleuchtete Hütte zu.
Er hält inne, lässt kurz ab vom Rudern, lässt das Boot lautlos einfach treiben und überlegt sich, was nun zu tun sei. Weiter rudern? Umkehren? Hat man ihn gesucht? Hat man ihn gefunden? Oder ist diese Person wegen ganz etwas anderem da - weiss noch überhaupt nicht, was geschehen ist?!
Die Gedanken schiessen ihm durch den Kopf. Was alles sein könnte, was alles geschehen könnte. Im Stimmengewirr seiner Gedanken greift er schliesslich - ohne weiter Nachzudenken - wieder zu seinen Riemen und steuert möglichst ohne Geräusche zu machen auf seine schwach erleuchtete Hütte zu.
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